Das Projekt

"Gut leben in NRW - Leben, Wohnen und Arbeiten für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf" ist ein Projekt des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung NRW e.V. und wird gefördert durch die Stiftung Wohlfahrtspflege des Landes NRW. Das Projekt wurde aufgrund der aktuellen Entwicklung und der daraus in Zukunft entstehenden Veränderung der Eingliederungshilfe initiiert. Menschen mit einem komplexen Unterstützungsbedarf sowie deren Familien sind bei der Entscheidung, wo und wie sie leben möchten, überwiegend immer noch auf ein stationäres Unterstützungsangebot angewiesen.

Der Landesverband möchte mit dem Projekt Gut leben in NRW die Umstellung bzw. Entwicklung von einer einrichtungszentrierten zu einer personenzentrierten Ausrichtung unterstützen. Daher müssen insbesondere die Leistungserbringer ihre stationären Angebote differenzieren und zu ambulanten personenzentrierten Leistungen weiterentwickeln. In der neuen Welt der personenzentrierten Leistungsgestaltung der Eingliederungshilfe geht es darum, zunächst die Wünsche und Vorstellungen des behinderten Menschen zu erfassen. Die Vorstellungen müssen in Einklang mit den Ressourcen im persönlichen Umfeld und den möglichen Leistungen der Sozialleistungsträger sowie den angebotenen und erreichbaren Betreuungs- und Dienstleistungen vor Ort gebracht werden. Denn gerade im Wohnbereich, bei der Alltagsgestaltung und bei der Teilhabe am Arbeitsleben waren die Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten in der Vergangenheit eingeschränkt und damit überschaubar. Aufgrund dessen richtet sich das Projekt vorrangig an Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf und verfolgt das Ziel, den Weiterentwicklungsprozess zu personenzentrierten Leistungen zu begleiten.

 

Das Projekt ist dual ausgerichtet worden. Das bedeutet, dass sich das Projekt einerseits an Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf sowie deren Angehörige und andererseits an Träger von Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderung richtet.
Zu den Zielpunkten gehört u.a., dass Menschen mit Behinderung

  • den nötigen Raum sowie die Möglichkeit erhalten, eigene Zukunftsvorstellungen zu entwickeln, sowie
  • mehr Einfluss- und Entscheidungsmöglichkeiten haben und
  • sicher sein können, dass die Versorgung im umfassenden Sinne, unter Ausnutzung aller verfügbaren Ressourcen, gewährleistet ist.

Ebenfalls soll erreicht werden, dass die Angehörigen

  • passende Unterstützungsleistungen für ihr Familienmitglied in ihrer Nähe finden sowie
  • Vertrauen in Eingliederungsleistungen außerhalb stationärer und teilstationärer Leistungsformen fassen können.

Aber auch den verschiedenen Leistungsanbietern soll die Möglichkeit geboten werden,

  • passgenaue Leistungsangebote zu entwickeln und
  • neue Leistungsformen zu erproben.

Vor dem Hintergrund dieser Zielsetzung wurden an 10 Standorten in NRW für 24 Monate sogenannte Teilhabegruppen gebildet. In diesen Gruppen sollen durch Beratungssettings für Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf z.B. Unterstützungsangebote zur Wohn-, Arbeits- und Lebenssituation initiiert und umgesetzt werden.

 

Eingeladen, in einer Teilhabegruppe mitzuwirken, wurden junge Erwachsene und erwachsene Menschen mit Behinderung, die einen Veränderungsprozess ihrer Wohn- und/oder Lebenssituation anstoßen oder weiter verfolgen möchten, sowie Personen aus dem nahen Umfeld (Familie, Freunde etc.) und Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen von Leistungsanbietern, die Interesse haben, diesen Prozess zu begleiten und bestehende Leistungsformen weiter zu entwickeln oder neue Formen der Leistungserbringung zu erproben.

 

Die inhaltliche Gestaltung der Teilhabegruppe richtet sich nach den Interessen der Teilnehmenden und kann neben der (gegenseitigen) Beratung, zum Beispiel die Initiierung von Gesprächskreisen sowie Informationsveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen oder sogar den Aufbau eines neuen Wohn-, Arbeits- oder Freizeitprojektes beinhalten. Durch die regelmäßigen Treffen (beispielsweise monatlich), sollen die Teilnehmenden die Möglichkeit bekommen, ihre Interessen zu bearbeiten bzw. diese umzusetzen. Eine solche Bearbeitung der benannten Zielsetzung in einer moderierten Teilhabegruppe, gemeinsam mit ähnlich Betroffenen, mit Angehörigen und Fachkräften kann dazu beitragen, sich von unrealistischen Vorstellungen zu verabschieden oder neue, bisher nicht gedachte Perspektiven zu entwickeln.

 

Durch die Koordination der Projektmitarbeiterinnen sollen weitere Möglichkeiten geschaffen werden, vielfältige Erfahrungen zu sammeln sowie sich untereinander auszutauschen und geplante Fachtagungen besuchen zu können.

Das Projekt „Gut leben in NRW“ wird von der Fachhochschule Bielefeld wissenschaftlich begleitet. Nähere Informationen hierzu finden Sie unter weiter unten auf dieser Seite.

Die Teilhabegruppen haben seitdem 01. Februar 2015  Ihre Arbeit aufgenommen.

Die 10 Teilhabegruppen verteilen sich über ganz NRW und die einzelnen Standorte sind:

  • Köln
  • Velbert
  • Oberhausen
  • Bochum
  • Beckum (Kreis Warendorf)
  • Kreis Olpe/ Kreis Siegen-Wittgenstein
  • Krefeld
  • Soest
  • Bielefeld
  • Aachen

Nähere Informationen über die Arbeit der Teilhabegruppen erhalten sie unter dem Menüpunkt Die Teilhabegruppen.

 

Für weitere Fragen stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung:

 

Julia Ohmes

 

 

 

 

 

 

 

Projektleitung

julia.ohmes[at]lvkm-nrw.de

 

 

Doro Fenner

Projektkoordinatorin

doro.fenner[at]lvkm-nrw.de

 

Die Evaluationsstudie des Projektes

Ein Kooperationsprojekt mit der Fachhochschule Bielefeld - Fachbereich Sozialwesen

 

Das Projekt "Gut leben in NRW" verfolgt das Ziel, Beratungssettings zu erproben, die es Menschen mit Behinderung ermöglichen, selbstbewusst eigene Zukunftsvorstellungen zu entwickeln. Dabei sollen unterschiedliche Kompetenzen gebündelt werden: Betroffene, Angehörige, Freunde, Nachbarn, Anbieter sozialer Dienstleistungen und weitere Personengruppen des sozialen Umfeldes sollen vor dem Hintergrund ihres spezifischen Wissens und ihrer Erfahrungen eine  kompetente, dialogisch und personenzentriert angelegte Beratung und Unterstützung schwerer behinderter Menschen gewährleisten.

 

Die Evaluation des vorliegenden Modellprojekts erfolgt prozesshaft und bietet die Möglichkeit, vertiefte Kenntnisse über hilfreiche Arrangements, Settings und Kompetenzen zu gewinnen, die den Verselbständigungs- und Selbstbestimmungsprozess von Menschen mit Behinderung unterstützen.

 

Weitergehende Informationen finden Sie in der hier hinterlegten PDF.

 

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Gudrun Dobslaw

Projektleitung

 


Fachhochschule Bielefeld
Kurt-Schumacher Str. 6
33615 Bielefeld
Telefon: 0521 - 106 7815
gudrun.dobslaw[at]fh-bielefeld.de