Die Teilhabegruppen

Im Februar 2015 wurden über ganz NRW verteilt 10 Teilhabegruppen gegründet. In diesen Gruppen treffen sich Menschen mit Behinderung, Angehörige von Menschen mit einer Behinderung sowie Freunde und Mitarbeiter*innen aus Einrichtungen oder Diensten der Behindertenhilfe. In den den Teilhabegruppen tauschen sich die Teilnehmer*innen u.a. darüber aus "Wie sieht für uns/mich ein gutes Leben aus und was braucht es dafür". Ausgerichtet an den individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Problemlagen der Teilnehmer*innen gestaltet sich die Arbeit der einzelnen Teilhabegruppen. Nachfolgend können Sie sich ein genaueres Bild von jeder Gruppe machen und bekommen einen kurzen Einblick was in den Gruppen passiert.

 

Teilhabegruppe Aachen:

Die Teilhabegruppe in Aachen beschäftigt sich mit dem Thema Bildung und Arbeit für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, insbesondere für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Denn leider treten auf dem 1. Arbeitsmarkt immer wieder Vorurteile und Unsicherheiten bei Arbeitgebern auf wenn diese Bewerbungen von Menschen mit einer Behinderung in den Händen halten. Damit diese Unsicherheiten abgebaut werden, möchte die THG Aachen Menschen mit Einschränkungen auf den Weg ins Arbeitsleben begleiten. Daher wurde beim ersten Treffen in der Teilhabegruppe die Frage gestellt: „Was können wir konkret für Menschen mit psychischen Einschränkungen im Arbeitsleben tun?“. Daraus ergab sich u.a. das Ziel, Menschen mit Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt zu begleiten und Hürden abzubauen. So startete die Teilhabegruppe das Azubi-Projekt. In diesem Zusammenhang wurde in Aachen eine „Azubi-Rundfahrt“ organisiert, die die Möglichkeit bot, potentielle Arbeitgeber kennen zu lernen. Ein nächster Schritt soll sein, dass die THG einen Aachener Arbeitgebertag veranstaltet.

 

Teilhabegruppe Beckum (Kreis Warendorf):

In der Teilhabegruppe Beckum treffen sich Menschen mit Behinderung und Eltern von Kindern mit Behinderung sowie Mitarbeiter*innen aus dem Verein fuer-einader e.V. Die Gruppe wird tauscht sich über Themen die, die einzelnen Teilnehmer*innen im Alltag beschäftigen, aber auch über die Erfahrungen die jeder mitbringt, aus. Anknüpfend an das erste Austausch- und Kennlerntreffen, hat die Gruppe mit der Methode „Zukunftswerkstatt“ weitere Wünsche und Bedürfnisse bzgl. einer gewünschten Lebensführung erarbeitet. Die Ergebnisse, die aus der sogenannten Zukunftswerkstatt entstanden sind, liefern der Gruppe viele Themen die bearbeitet werden möchten.

 

Teilhabegruppe Bielefeld:

Auch die Teilhabegruppe Bielefeld hat den Schwerpunkt auf Arbeit und Beschäftigung für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf gelegt. Die Gruppe hat in Ihren ersten Treffen die Wünsche und Herausforderungen der einzelnen Gruppenteilnehmer*innen gesammelt und diskutiert. Aus diesen Gesprächen und dem Austausch entstand die Idee, Interviews mit Arbeitnehmer und Arbeitgebern durchzuführen, um in den Austausch zu kommen. Zudem lädt die Gruppe, je nach Bedarf und Interesse der Teilnehmer*innen, Experten zu unterschiedlichen Themen bzw. Fragestellungen ein. Ein weiteres Vorhaben ist, dass die THG einen Fachtag zum Themenschwerpunkt „Arbeit“ in Bielefeld vorbereiten möchte. Mit diesen Ansätzen möchte die Gruppe auf sich aufmerksam machen, aber auch den Herausforderungen der einzelnen Gruppenmitglieder begegnen und diese unterstützen.

 

Teilhabegruppe Bochum:

Bei der Teilhabegruppe Bochum gibt es die Besonderheit, dass es eigentlich zwei Gruppen gibt. Denn hier beschäftigen sich Angehörige in einer Gruppe mit dem Thema „Wie und wo kann mein Kind/Bruder/Schwester wohnen?“ und in der zweiten Gruppe beschäftigen sich die jungen Familienmitglieder mit einer Behinderung mit dem Thema „Wie möchte ich wohnen und wie kann das funktionieren?“. Da die meisten der jungen Menschen noch bei Ihren Eltern leben, wurde in der Gruppe zuerst erörtert wo die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen liegen. Die Gruppe verbindet in Ihren Treffen Gespräche über die Zukunft der Teilnehmenden mit ganz lebenspraktischen Events wie Plätzchen backen, alleine Einkaufen gehen oder mit dem Bus zum Weihnachtsmarkt zu fahren. Zudem besuchen zwei Fachkräfte, die ebenfalls an der Gruppe teilnehmen, die jungen Erwachsenen zu Hause, um zu erfahren welche Hilfebedarfe im Alltag vorliegen, um noch gezielter Lösungsansätze gestalten zu können und um die Gruppentreffen thematisch an den Bedarfen auszurichten. Hierzu ergänzend, besprechen die Angehörigen in Ihrer Gruppe die Problematik des Wohnraummangels in Bochum und beraten sich über mögliche Wohnmodelle. Hierzu laden die Angehörigen zwischendurch Experten ein und lassen sich z.B. über das Persönliche Budget oder auch über die Möglichkeiten sowie Grenzen eines Bauträgers informieren.

 

Teilhabegruppe Köln:

Die Teilhabegruppe Köln besteht aus Menschen mit Behinderung, Angehörigen sowie Fachkräften der Sozialen Arbeit. Die Gruppe greift Fragestellungen oder Problematiken zu den Themen „Wohnen“ und „Freizeit“ der einzelnen Teilnehmer*innen auf. In der Gruppe wird sich dann zu den offenen Fragen oder Problematiken ausgetauscht. Hier können die Teilnehmer*innen von Ihren persönlichen Erfahrungen berichten und voneinander profitieren. Darüber hinaus werden verschiedene Experten*innen eingeladen, wie zuletzt eine Assistenznehmerin als Expertin in eigener Sache, sowie die Leiterin des genutzten Assistenzdienstes. Bei diesem Treffen konnten die Teilnehmer*innen Ihre Fragen stellen und lernten das Konzept der 24-Stunden Assistenz kennen.

 

Teilhabegruppe Krefeld:   

In der Teilhabegruppe Krefeld treffen sich regelmäßig ca. 16 Personen mit unterschiedlich hohem Unterstützungsbedarf sowie Mitarbeiter*innen der Dulst gGmbH. Die Gruppenmitglieder machten in Ihrem Alltag die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Inklusion, insbesondere im Bereich Freizeit. Aus diesem Grund möchten sich die Teilnehmer*innen vor allem den folgenden Fragen widmen: „Welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung in Krefeld haben wir? Wie gut sind wichtige/interessante Orte/Sehenswürdigkeiten erreichbar? Wie ist die Lage vor Ort? Kann ich mich dort ohne Hilfestellung versorgen? Und wenn nicht, wer kann mich unterstützen?“. Um diesen Fragen nach und nach auf den Grund zu gehen, wurde ein Ampelsystem zur Bewertung erarbeitet und innerhalb der Teilhabegruppe mehrere Kleingruppen gebildet, die sich auf den Weg machten zu unterschiedlichen Orten in der Stadt um diese mit dem Ampelsystem zu bewerten. Danach haben die Kleingruppen Ihre Ergebnisse in der großen Runde vorgestellt. Anhand der Erkenntnisse dieser Besuche plant die Gruppe Ihr weiteres Vorgehen.

 

Teilhabegruppe aus dem Sieger-und Sauerland:

Die Teilhabegruppe im Sieger-und Sauerland hat sich intensiv damit auseinandergesetzt, was Inklusion bedeutet. Hier war die Gruppe sich schnell einig, dass noch einiges passieren muss das Inklusion wirklich gelebt wird. Hier möchte die Gruppe ansetzen und darauf aufmerksam machen, denn Sie sind sich einig dass Inklusion im Kopf startet, aber dieses leider noch nicht in allen Köpfen angekommen ist. Aus diesem Grund möchte die Gruppe sich in der Öffentlichkeit stark machen und auf sich, sowie auf Ihre Anliegen aufmerksam machen. Dafür nutzte die Gruppe u.a. den Aktionstag am 5. Mai und den Tag der Begegnung am 30. Mai. Für diese Events hat die Gruppe einen Themenzebrastreifen gestaltet und in der Fußgängerzone ausgelegt, um mit Bürgern aus der Region ins Gespräch zu kommen. Im Weiteren haben die Teilnehmer*innen einen Text verfasst, der für Sie ausdrückt, was Inklusion bedeutet. Dieser Text soll in mehreren Zeitungen veröffentlicht werden. Damit der Text für jedermann zugänglich ist, hat die Gruppe gemeinsam beschlossen einen Film zu drehen, in dem der erarbeitete Text vertont, schauspielerisch dargestellt und in Gebärdensprache übersetzt wird.

 

Teilhabegruppe im Kreis Soest:

Die Teilnehmer*innen der Teilhabegruppe aus Soest starteten in Ihre Arbeit, indem jeder Einzelne erzählen konnte „Was ist für mich ein gutes Leben und was hindert mich vielleicht daran so zu leben wie ich möchte?“. Zu diesen Fragen trifft sich die Gruppe regelmäßig und startet neben dem reinen Austausch, auch viele spannende Aktionen die aus den einzelnen Themen der Gruppenteilnehmer*innen resultieren. Ein Thema war die Kiezkarte. Die Gruppe hat sich auf den Weg gemacht und einen Tag geplant, an dem alle gemeinsam die Geschäfte, Kneipen, Restaurants etc. in Werl auf Barrierefreiheit getestet haben. Die Ergebnisse wurden in die sogenannte und bekannte Wheelmap eingepflegt (www.wheelmap.org). Ein weiteres Thema war, dass ein selbstbewusstes Auftreten für Menschen mit Einschränkungen nicht immer leicht ist. So kam in der Gruppe die Idee auf, dass vielleicht ein Selbstverteidigungskurs hilft selbstbewusster und selbstsicherer aufzutreten. Diese Idee kam gut an und wurde direkt in die Tat umgesetzt - die Gruppe organisierte für sich und Gäste einen Selbstbehauptungskurs.

 

Teilhabegruppe Oberhausen:

Die zwölfköpfige Gruppe aus Oberhausen beschäftigt sich mit dem Thema „Arbeit“. Die Teilnehmer*innen der Gruppe bringen unterschiedliche Beeinträchtigungen, Ausgangssituationen sowie Erfahrungen mit, aber in einem Punkt haben Sie alle etwas gemeinsam und sind sich einig: „Glücklich sind wir mit unserer Arbeitslage nicht!“. Daher ist die zentrale Frage der Gruppe: “Was muss sich denn ändern, damit wir Arbeit finden können, die uns glücklich macht?“ Um diese Frage zu beantworten und um die Bedürfnisse des Einzelnen in der Gruppe erfassen zu können, wurden in der Gruppe verschiedene Methoden der Zukunftsplanung angewendet. Nachdem die individuellen Wünsche erfasst worden sind, sowie in der Gruppe ganz allgemein über aktuelle  Möglichkeiten und Grenzen der Arbeitswelt gesprochen wurde, hat jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin eine Analyse der individuellen Stärken und Schwächen angefertigt. Damit wurde versucht, sich langsam dem Wunsch bzw. dem persönlichen beruflichen Ziel realistisch zu nähern. Das heißt, dass somit geschaut werden kann „Was für eine individuelle Unterstützung benötige ich ggf. um meinen Wunschberuf ausführen zu können“. Genau diese Schritte sollen dabei unterstützen, dass die Gruppe und jede (r) einzelne Teilnehmer*innen daran mitwirken kann, etwas auf dem Arbeitsmarkt und/oder für sich persönlich zu verändern.

 

Teilhabegruppe Velbert:

In der Teilhabegruppe Velbert treffen sich regelmäßig sieben Menschen mit Behinderung und zwei Angehörige von einem Menschen mit Unterstützungsbedarf. Nach dem ersten Treffen wurde deutlich, dass ein großes Thema für die Teilnehmer*innen die Barrierefreiheit in der Stadt Velbert ist, sowie die bestehende Vermögensgrenze von 2600,- EUR bei Menschen mit Unterstützungsbedarf. Dieses wurde zusätzlich durch die Ergebnisse der durchgeführten Zukunftswerkstatt bestätigt. Somit hat sich die Gruppe darauf verständigt, dass Sie sich als erstes dem Thema Barrierefreiheit in Velbert widmen möchten. Nachdem die Teilnehmer*innen für sich und die Gruppe in Ihrem persönlichen Alltag intensiv auf Barrieren geachtet und diese zusammengetragen haben, wird derzeit überlegt, ob die Gruppe einen Aktionsplan erstellt. Und in diesem Zusammenhang eine gemeinsame Begehung der Stadt Velbert im Hinblick Barrierefreiheit organisiert. Die Idee dabei wäre, die Ergebnisse und Erfahrungen einer solchen Stadtbegehung den Verantwortlichen anschließend mitzuteilen und darüber in den Dialog zu treten.